"Musik, so laut bis der Bass meinen Herzschlag kontrolliert"
- Heidi
- 17. Feb. 2018
- 7 Min. Lesezeit

(Der Urheber des Spruchs in der Überschrift ist mir leider unbekannt, aber recht hat er.) Scherzhaft und ein wenig unfair nenne ich den Vinyl Abend in Velbert-Langenberg (i.d.R. jeden dritten Freitag im Monat) gerne schon mal Oma-Disco. Das ist eine völlig falsche Bezeichnung, auch wenn
die Veranstaltung ab 18 Uhr losgeht, und zwischen 22 Uhr und 22:30 Uhr endet
man zum eher jüngeren Publikum gehört, wenn man in den 30ern ist
sich niemand in irgend einer Form „aufbrezelt“
die gespielte Musik sich irgendwo zwischen 60ern und maximal 90ern bewegt (Ausnahmen aus den 2000er Jahren mag es geben)
Außerdem ist der Anteil an Omas und Opas sehr ausgewogen.
Ab 18 Uhr öffnet sich die Tür und die Plattenteller fangen an, sich zu drehen. Ab 19 Uhr wird’s langsam voller, um 20 Uhr spätestens sind sie dann alle da, der Raum ist wie immer proppenvoll, Plätze an Tischen und Theke sind alle besetzt, die Tanzfläche voll.
Man findet alle möglichen Leute hier:
den Herrn mit schulterlangem grauem Haar, der so tanzt, wie es ihm gefällt: als würde niemand zusehen. Und das – wenn’s noch früh ist – auch gerne mal ganz allein auf der Tanzfläche
den Typ mit der gut sitzenden ordentlichen dunkelblauen Jeans und dem strahlend weißen Oberhemd, der die Hüften so cool schwingt wie einst Errol Brown von Hot Chocolate
die Frau, die aus der Menge 'normal' Gekleideter heraussticht, weil sie sehr stilecht im 60er Jahre Kleidchen mit weißen Lackstiefeln aufkreuzt, die im Halbdunkel leuchten
die (wahrscheinlich) Mittsechzigerin, vollständig ergraut, möglicherweise bereits Oma, adrett gekleidet, als würde sie zu einer Familenfeier gehen
die andere (wahrscheinlich) Mittsechzigerin mit moderner Brille und modernem Strickkleid, die nicht aussieht, als würde sie zu einer Familienfeier gehen, und die zu Deep Purple tanzt als wäre sie 40 Jahre jünger
der Typ gelacktes Arschloch (einen von ihnen gibt’s immer), dem am Hinterkopf bereits langsam die Haare ausfallen, während er den Rest sorgfältig-locker gestylt hat und mit seiner hübschen Freundin zur Linken und dem Weinglas lässig in der Rechten auf der Tanzfläche STEHT, bzw. bei Anarchy In The UK von den Sex Pistols anfängt, so bescheuert zu „tanzen“, dass man sich fragt, ob er gleich irgendjemandem dabei das Weinglas ins Gesicht pfeffert, er sich dabei aber wahnsinnig cool vorkommt
die mit den kurzen Haaren, bekleidet mit Kapuzenpulli und Doc Martens, die bereits in den 90ern wusste, wie genau man sich zu The Prodigy’s Firestarter auf der Tanzfläche bewegt und das 20 Jahre später immer noch kann
die ganz in schwarz gekleidete Blonde, die überhaupt kein Gefühl für Rhythmus hat, aber trotzdem fast die ganze Zeit auf der Tanzfläche ist
all wir Mittelalten, die die Tanzfläche stürmen (oder erst gar nicht verlassen) bei Sunday Bloody Sunday von U2, Smoke On The Water von Deep Purple, Black Betty von Ram Jam, Vagabonds von New Model Army, Engel von Rammstein… die den Stress der Woche vergessen bei den Sisters of Mercy, Jethro Tull, den Talking Heads, AC DC, oder auch bei Anne Clark’s genialem Klassiker Our Darkness; auch mal bei Songs von Depeche Mode, irgendwelchem Kram aus der Ska Szene (so GAR NICHT meine Welt) oder völlig Skurrilem wie Disko Partizani von Shantel (was, das kennt Ihr nicht? Ich auch nicht… hab es Shazam’d).
Jeden dritten Freitag sind sie da. Um zu tanzen, Spaß zu haben auf der Tanzfläche, ein Bier oder zwei, ein Glas Wein oder zwei, oder einfach nur Cola zu trinken, eine der selbstgebackenen, noch warmen Brezeln zu essen (manchmal gibt’s auch selbstgemachten Eintopf), sich zwischendurch gegenseitig ins Ohr schreiend zu unterhalten, aber eigentlich nur auf geile Musik wartend, um zu tanzen. Jeder wie er mag. Niemand schaut auf den anderen (außer ich gestern, damit ich heute was zu schreiben habe), niemand bewertet Alter, Aufmachung, Tanzstil, Figur etc. Interessiert nicht. Einfach nur Spaß haben, sich an der Musik der Jugend erfreuen (das klingt irgendwie als wäre ich furchtbar alt, aber Ihr Mittelalten wisst sicher was ich meine), eine gute Zeit haben.
Das Ende kommt IMMER mit Edith Piaf’s Non, je ne regrette rien. Ohne Ausnahme. Manche verlassen die Tanzfläche, andere, meist Pärchen, tanzen langsam und eng. Und dann ist Ende. Bis zum nächsten dritten Freitag im Monat.
Wer mag, kann übrigens selbst Vinyls mitbringen. Solange es keine Schlagermusik ist. Denn die muss leider Gott sei Dank draußen bleiben.
Es klappt nicht immer, dass die Beste Freundin von Allen und ich auch dort sind. Aber wenn, dann sind wir – sofern die Musik passt – auf der Tanzfläche. Das ist dann vieles in einem: Stressabbau, Motivations-Coach, Psychologe, Ecstasy-Pille und Fitness-Training. Zumindest für mich. Augen zu, die kreischenden Gitarren, dröhnenden Bässe und hämmernden Rhythmen von den Ohren durch die Blutbahn direkt in die Magengrube, die Seele und die Beine ziehen lassen und wirklich jeden einzelnen Muskel im Körper bewegen. Das beste Workout und Herz-Kreislauf-Training überhaupt. Schweißtreibend. Befreiend. Massiver Kalorienverbrauch inclusive.
Den nächsten Vinyl-Abend gibt’s im März (ausnahmsweise um eine Woche zeitversetzt wegen einer Veranstaltung), genau am 23.03.2018. Wer in der Nähe ist, auf Musik jenseits der aktuellen Charts steht und Lust hat, einfach mal loszulassen, der komme vorbei. Eintritt frei. Spaß garantiert
Weisheit des Tages:
Die gute Sache an der Musik ist: wenn sie dich trifft, spürst du keinen Schmerz. ~ Bob Marley
"Music, so loud until the bass controls my heartbeat" (Author unknown)
Jokingly and quite unfairly I call the Vinyl-Evening in Velbert-Langenberg (which takes place usually every third Friday of the month) Granny-Disco. And it’s completely wrong on top of it, even though
the event starts at 6pm and normally ends between 10 and 10:30pm
you’re among the “younger” crowd if you’re in your 30s
no one dresses up like for a club night
the music they play is somewhere between the 60s and 90s, with some few exceptions from the millennium years
you wait for club-/hip-hop-dance sounds in vain
Also, the numbers of Grandmas and Grandpas in attendance is quite balanced.
Door opens at 6pm and the turntables start rotating. Around 7pm the place starts to fill up and at 8pm they are all here, it’s packed and all chairs at the tables and seats at the bar are occupied.
You’ll find all kinds of characters here:
the guy with shoulder-length gray hair who dances like no one’s watching… sometimes even all alone on the dance floor
that guy with dark-blue, well-fitting jeans and bright-white dress shirt who swings his hips like Erol Brown from Hot Chocolate
the woman who stands out from the regular dressed crowd because she shows up in a stylish 60s dress and white patent leather boots who shine in the dark
the (probably) in her mid-60s woman with short grey hair who might be a Granny already and is neatly dressed as if for a family celebration
the other (probably) mid-60s woman with even shorter, modern styled hair who may or may not be a Granny and is dressed in a modern woolen dress and rocks away on the dance floor to Deep Purple like 40 years ago
the type of wannabe-cool douchebag (there’s always that one) who already starts to lose hair at the back of his head while he has styled the rest carefully-casually, pretty girlfriend on the left and a glass of red wine in the right, STANDING on the dance floor, looking cool, probably hoping that everyone sees him, and then starting to make weird dance moves when Anarchy In The UK by the Sex Pistols comes on, and everyone’s wondering whether they’ll be hit by the wine glass
that woman with the very short hair, dressed in hoodie and Doc Martens who knew already in the 90s how exactly to move to The Prodigy’s Firestarter and still knows 20 years later
the Blonde dressed in black who has zero feel for rhythm but is on the dance floor almost all the time
all us Middle Aged storming (or staying on) the dance floor for U2’s Sunday Bloody Sunday, Deep Purple’s Smoke On The Water, Ram Jam’s Black Betty, New Model Army’s Vagabonds, Rammstein’s Engel… forgetting the stress and hassle of the week during Sisters of Mercy, The Cure, Jethro Tull, The Talking Heads, AC DC, even Anne Clark’s amazing electronic-classic Our Darkness or songs by Depeche Mode or some stuff from the Ska era (NOT my world!) or completely bizarre tunes like Disko Partizani by Shantel (you don’t know WTF that is? that alright, me neither, had to Shazam it).
They are all here, each 3rd Friday of the month. To dance, to have fun on the dance floor, to have a beer or two, a glass of wine or two, or just a soda, to eat one of the homemade and still warm pretzels (sometimes they serve homemade soup), to yell into each others ear when trying to make conversation because it’s so loud. Everyone does as they please, no one’s looking at the other person (except me yesterday because I was looking for something to write) and is judging age, clothes, dancing style, figure or whatever. Doesn’t matter. We’re all here to let loose, to enjoy the music of our youth (Lord, that sounds as if I’m terribly old, but all you Middle Aged surely know what I mean) and to have a grand ol’ time.
The end always comes with Edith Piaf’s Non, je ne regretted rien. No exception. Some leave the dancefloor, others, mainly couples, stay and dance close. And then it’s over. See you next month.
If you like, you can bring your own vinyls and tell the DJ what you want to hear. Everything’s welcome as long as it’s no Schlager or Country.
Doesn’t always work out that the BFF and I there each month. But IF we’re there, we’re on the dance floor (as long as the playlist is okay). And then it’s many things in one: stress reduction, motivational coach, shrink, an ecstasy pill and fitness training. For me anyway. Close your eyes, let the screeching guitars, booming basses and pounding rhythms find the way from your ears, through your blood veins to your stomach and down into your legs. Best cardiovascular workout ever. Sweaty. Massive calorie consumption included.
The next Vinyl Evening will be in March (because of an event one week later than usual) on 03/23/18. If you’re nearby, love music far away from current charts and want to let go on the dance floor, come over. Entry is free, fun is guaranteed.
Wisdom of the Day: One good thing about music, when it hits you, you feel no pain. ~ Bob Marley